Forschungspolitik

Moderne Industriestaaten sind dabei, ihre Investitionen in Forschung und Innovation strategisch zu gestalten und auf einem hohen Niveau, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, zu halten. Hinter dem dabei maßgeblichen, akademischen Begriff der "totalen Faktorproduktivität" verbirgt sich die Annahme, dass technischer Fortschritt zu einem großen Teil zum Wachstum unserer Wirtschaft beiträgt, mehr noch als es Produktivitätsteigerungen in Arbeit und Kapital erklären könnten. Bayern schneidet dabei vergleichsweise gut ab.

Dennoch: Die Wirksamkeit von Politik allein daran zu messen, wieviel Geld man ausgibt, ist absurd. Das ist so, als würde ich Ihnen als Erfolgsfaktor meiner Arbeit die Stunden nennen, die ich wöchentlich im Büro zubringe. Über die Qualität der Arbeit ist damit aber noch nichts ausgesagt. Die Maßnahmen der Politik müssen nachvollziehbar wirksam und transparent gestaltet werden. Das ist momentan nicht der Fall: Fördermittel werden dezentral vergeben, es gibt keine umfassenden Daten über die Gesamtsumme und Verteilung. Diese Daten aber brauchen wir, denn nur durch die Auswertung von bisherigen Maßnahmen können wir erfahren, wie das Geld des Steuerzahlers möglichst sinnvoll eingesetzt werden kann. Jede politische Maßnahme zur Innovationsförderung muss ein Budget beinhalten mit dem Fachleute bezahlt werden können, die die Wirksamkeit einer Maßnahme beurteilen.

Die Förderung von innovativen Firmen, auch und besonders im Bereich der Ausgründungen, hat Priorität, darf aber nicht nach dem Gießkannenprinzip erfolgen. Hier hat der Staat die Möglichkeit, durch die Bereitstellung von Wagniskapital, auch "Venture Capital", sich auch selbst Rückflüsse aus erfolgreichen Investitionen zu sichern und daraus weitere Maßnahmen zu finanzieren, ohne auf große dauerhafte Investitionen aus Steuergeldern angewiesen zu sein; diese können dann zum Beispiel in der sozialen Sicherung eingesetzt werden. Der Staat hat die Aufgabe, Innovation und Forschung zu fördern – aber nicht alles und um jeden Preis.

Das "Silicion Valley" und das amerikanische private Venture Capital gelten noch immer als Mythos der "richtigen" Innovationspolitik. Ich stelle das in Frage. Nicht nur, dass in Amerika die meisten heute sichtbaren Innovationen (das iPhone, GPS, das Internet) durch öffentliche Gelder finanziert wurden – privates Venture Capital ist darauf ausgelegt, eine große Zahl von vielversprechenden Jungunternehmen mit Geld zu fördern in der Hoffnung, dass der Umsatz von erfolgreichen "Exits" die verlorenen Investitionen in gescheiterte Unternehmen überschreitet. Was man davon öffentlich wahrnimmt sind die wenigen erfolgreichen Stars, nicht aber die Dunkelziffer der gescheiterten Jungunternehmer. In dieser Gruppe sind durchaus aber auch Menschen zu finden, deren Ideen mit einer auf langfristig ausgerichteten Förderung etwas gesellschaftlich wertvolles bewirken werden

Innovations- und Forschungspolitik in Bayern und Deutschland muss eigene, soziale Wege gehen.
Wir brauchen:

* Die Bereitstellung von längerfristig disponiertem, staatlichem Wagniskapital
* Eine zentrale Fördermittelvergabestelle
* Einheitliche Kriterien nach denen Auswertungen von Maßnahmen erstellt werden
* Umfassende Daten über unsere Innovationspolitik

Aktuelle Beiträge zum Thema Forschungspolitik finden sich auf dieser Website bei den Meldungen unter News und dem Schlagwort Forschung und Innovation.